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(in)visible membrane

life on the human body and its design applications

Thesis Projekt
2008/2009

Dieses Projekt beschäftigt sich mit einer Neubewertung unserer zweiten Haut, der Kleidung, die sich anstatt an bewährten historischen Formen an dem unsichtbaren Mikrokosmos, der auf unserer Haut bereits existiert, orientiert.

Wie könnte ein Kleidungsstück, das durch individuelle Körperbedürfnisse wie Körpertemperatur definiert wird, aussehen? Was wäre wenn wir die Bakterien, die auf unserer Haut ohnedies leben, dazu nutzen könnten unsere Kleidung aufzubauen?

Hieraus entwickelte sich 2008 crocheted membrane. Crocheted membrane zeigt eine fundamentale Veränderung der Ästhetik von Kleidungsstücken. Da in der herkömmlichen Erstellungsweise eines Kleidungsstückes bereits eine kostümgeschichtliche Definition, beispielsweise bezüglich der Form vorliegt: d.h. ein Hemd ist als Hemd definiert, eine Hose als Hose usw. Im Gegensatz dazu ist der Ausgangspunkt des Crocheted Membrane Prozesses der individuelle menschliche Körper und seine Körperbedürfnissen bei 10°C Außentemperatur. Es entsteht eine komplett neu definierte Funktion, Ästhetik und Form. Es ergaben sich weitere Fragen: Was wäre wenn sich unsere zweite Schicht an äußere Umstände flexibel, autonom und lokal anpassen könnte? Wären wir durch die ästhetische Vielfalt unserer Kleidung durch individuelle Farben, Formen und Strukturen inspirierter und würden bewusster durch die lokale Umgebung schreiten? Könnte Kleidung mit mehr Bedeutung entstehen, die sich authentisch an die lokalen Umstände anpasste? Würde sogar soziale Integration durch die Anpassung der äußeren Schicht an die Umgebung schneller stattfinden?

Die entstandenen Fragen brachten mich 2008 an die Wageningen Universität in Holland. Um mehr über das Leben der Bakterien zu lernen bekam ich die Möglichkeit ein mikrobiologisches Praktikum zu absolvieren. Nach dieser Einführung in die Grundlagen der Mikrobiologie, begann ich meine Experimente mit Hautbakterien und in weiterer Folge mit deren Reaktion auf Textilien.

Ich durfte in dieser Zeit erfahren wie inspirierend die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Kunst und Wissenschaft für alle Beteiligten ist. Es entsteht ein neues Vokabular, nicht nur ästhetisch sondern auch verbal. Ich konnte feststellen, dass Wissenschaftler sehr fokussiert auf ihren speziellen Mikrokosmos sind, Gestalter eher fächerübergreifend arbeiten und damit größere Zusammenhänge erkennen können.

So entstanden meine weiteren Designschritte. Das nächste Projekt nannte ich bacteria mapping, ich begann Bakterien auf meinem Körper zu kartographisieren. Ich erstellte ein Nummernsystem von 1-20 und benannte so unterschiedlichste Stellen auf meinem Körper um zu recherchieren und zu dokumentieren wie und ob sich Bakterien an den verschiedenen Stellen des Körpers unterscheiden.

Im folgenden Schritt wollte ich einen großen Teil meiner unsichtbaren Bakterienmembran auf einmal sichtbar machen. Dieses Projekt oversized petridish war nicht nur für mich, sondern auch für das wissenschaftliche Team in Wageningen eine große Herausforderung, da eine Petrischale in dieser Größe noch nie hergestellt worden war. So habe ich das lebende und wachsende Bild eines Teils meines Körpers von Tag 0 bis Tag 44 photographiert und die Veränderungen dokumentiert.

Ich beobachtete die Transformation von unsichtbaren Hautbakterien von meinem lebenden Körper, zu sichtbaren Bakterien auf einem körperexternen Material. Etwas das ein Teil meines Körpers war, wurde autonom und sichtbar aufgrund der besseren externen Gegebenheiten in einer Petrischale. Den Körper unabhängig von dem Kontext des lebenden Organismus zu betrachten, und das fehlende Bewusstsein für dessen unsichtbare Schönheit, stimmte mich nachdenklich bezüglich des allgemein herrschenden Körperbewusstseins. Daraus ergab sich eine weitere Motivation meiner Arbeit, nämlich unsichtbares sichtbar zu machen, dadurch Bewusstsein zu schaffen und somit Impulse zu setzen. Unser Körper endet nicht mit der Haut, sonder expandiert ständig und unsichtbar in den Raum. Die Körpergrenze Haut verschwimmt und lässt neue Sichtweisen zu. Unsere Haut ist voll von Bakterien, sind sie nicht 'wir'? Wenn sie wir sind, wo hört mein 'wir' auf und wo fängt das 'wir' eines anderen Menschen an?

Meine weiteren Recherchen ergaben erstaunlicherweise, dass wir nur 2-3% unser Hautbakterien kennen. Seit 10 Jahren wissen Mikrobiologen, dass Bakterien mit einer chemischen Sprache, mittels Molekülen kommunizieren. Was wäre wenn sich auf unserer Haut eine Kommunikationsschicht aufbauen könnte, die diese Moleküle erkennen und interpretieren würde? Ich begann meine Experimente mit dem Material, dass wir heutzutage als zweite Schicht verwenden, Textil. Ich arbeitete mit natürlichen, synthetischen und natürlich-synthetischen Textilien und mit Hautbakterien von drei Personen. Ich gab den Bakterien bestimmte Futterstrukturen vor und beobachtete die Ergebnisse. Bei jedem Versuch machte ich einen Fingerabdruck und sie bauten sich genau um die Fingerform auf. Außer bei einer bestimmten Wolle bei der sie sich selbständig organisierten und sich um alle einzelnen kleinen Fäden aufbauten. Es war der Beweis, dass Bakterien auf verschiedene Materialien unterschiedlich reagieren. Ich zeigte die Bakterien-Textil-Experimente in meiner Ausstellung. Den Prozess meiner Arbeit zu zeigen ist ein sehr wichtiger Teil der Arbeit selbst.

Um weiterhin die Sprache zwischen Kunst und Mode zu bedienen, entstand Visible membrane I. Es ist eine klassische Schaufensterpuppe umstrickt von der Wolle, die die meiste Reaktion bei den Bakterien ausgelöst hatte. Der Körper der Puppe ist umstrickt, nur ein Teil des Textils am Bauch ist aufgerissen, an diesem Teil befindet sich eine Petrischale die die Reaktion der Hautbakterien auf diese Wolle zeigt. Der Kopf der Puppe ist gesenkt, es sieht aus als ob sie auf diese Stelle fokussiert. Sie will sagen, dass wir vielleicht einen zweiten Blick auf unsere Haut werfen sollten, um die bestehende unsichtbare Infrastruktur verstehen zu lernen und zu nützen.

Besonders die symbiotischen Systeme in der Biologie interessieren mich, Formen des Zusammenlebens, in denen alle Beteiligten voneinander profitieren. Ich glaube wir könnten von diesen Systemen lernen um mehr Gerechtigkeit, Fairness und Verständnis füreinander zu erlangen. Nicht um eine heile Welt zu erschaffen, aber ich bin mir sicher, dass durch die Symbiose von Kunst und Wissenschaft neue Themen, neue Ästhetik und Möglichkeiten zur schrittweisen Verbesserung entstehen. Kunst/Mode kann die Wissenschaft mit Visualisierung unterstützen. Die Wissenschaft kann die Mode mit Methoden und Daten bereichern.

Nach diesem Schritt entstand mein Film (in)visible, er zeigt meine Vision der vier Schichten der (In)visible membrane. Die erste Schicht sind unsere existierenden Hautbakterien. Die folgende wäre eine künstliche, lebende Kommunikationsschicht, die die Information unserer individuellen Hautbakterien aufnehmen könnte. Würden wir hier aufhören wäre ein wichtiger Faktor vergessen: die Umgebung. Meine Recherche dahingehend führte mich zum laut meines Wissens einzigen in Natur vorkommenden Organismus, der flexibel auf Umwelteinflüsse reagieren kann, zum Schleimpilz.
Schleimpilze sind wandelbare Künstler, sie nutzen die intelligentesten Strategien der Pflanzen und Tierwelt um sich zu vermehren und fortzubewegen. Wenn Trockenheit anbricht verändert sich die Struktur und Farbe des Schleimpilzes, er gelangt in ein Stadium zwischen Leben und Tod. Wenn es dann wieder zu regnen anfängt dann erwacht er, verändert wieder Form und Farbe und lebt weiter. Ich bin der festen Überzeugung, dass man von diesen natürlichen biologischen Funktionen und Systemen lernen könnte. Sie könnten uns neue Möglichkeiten von Interaktion mit der Umgebung bieten. Der Film endet mit Pflanzen die aus der menschlicher Haut wachsen und einem Menschen der unter Wasser atmen kann. Eine Utopie als Inspiration für neue Möglichkeiten.

Photographie (pic.2/3) von Maurizio Montalti und (pic.10) Rene van der Hulst

 

life on the human body and its design applications

Thesis project
2008/2009

My thesis project deals with a re-evaluation of our second skin, clothing, which instead of focusing on valuated historic forms zooms on the microcosm which excists already on our skin.

The (In)visible membrane confronts scientific data and methods with fashion design in order to find a balance between individual identity and the surrounding local environment. By doing so, I want to create a new second living layer on our body based on the interaction between individuals and the surrounding.

How will a piece of clothing, which is defined by personal physical needs or, for example, our body temperature look like? What if we were able to use our skin bacteria for producing our clothes?

All these assumptions led to the crocheted membrane design in 2008. Crocheted membrane displays a fundamental change in the aesthetics of clothes. Usually, the conventional production of clothes is connected to some aspects of fashion design history, for instance, regarding an item’s shape: a shirt is defined as a shirt; trousers are defined as trousers etc. Opposed to this, the crocheted membrane process had a different starting point: an individual human body and its needs with an outdoor temperature of 10 degrees Celsius. Completely new functions, aesthetics and shapes emerged. This caused further questions: What if our second skin would be able to locally adapt to changing conditions in a flexible and autonomous way? Would the aesthetic diversity of our clothes with individual colors, shapes and structures, be more inspiring and would we be more aware of our surroundings? Is it possible that more significant clothes would develop which would accurately adapt to local conditions? Is it possible that even social integration would become more dynamic due to the adaptation of the outer layer to its surroundings?

In 2008, all these questions brought me to Wageningen University in the Netherlands. In order to learn more about the lives of bacteria, I had the opportunity to complete a microbiological internship. After having been introduced to the basics of microbiology, I started to experiment with skin bacteria and, at a later point, their reaction to textiles.

During this time I have learned how inspiring interdisciplinary cooperation between art and science can be for all the parties involved. New aesthetic and verbal vocabularies emerged. I noticed that scientists usually focus on their own special microcosm and that designers prefer interdisciplinary projects so that designers are usually in a position to recognize causal relations more easily.

This led to the next design steps. I called the next project bacteria mapping. I started to chart bacteria on my body. I developed a number system ranging from 1 to 20 and denoted different parts on my body in order to find out and document how and in what way bacteria varied on the different parts of my body.

In a next step, I intended to visualize a large part of the invisible bacteria membrane. The oversized Petri dish project proved to be a challenge for me as well as for the scientific team in Wageningen, as a Petri dish with such dimensions had never been made before. In the framework of the project, I took pictures of the living and growing part of my body from day 0 until day 44 and documented the changes.

I observed the transformation of invisible skin bacteria into a living organism, into visible bacteria on external material. Something which was part of my body became autonomous and visible due to the more favorable conditions in a Petri dish. To see a human body outside the context of a living organism and the lack of awareness for its invisible beauty made think about the generally accepted body-image. This was new input for my work, i.e. to visualize the invisible, to raise awareness and cause food for thought. Our body does not end with our skin; it rather extends into the room in an invisible way. The skin border blurs and presents new views. Our skin is full of bacteria which belong to us and are part of us. If they are 'we', where do our bodies end and where does another person's body start?

Further research revealed interesting results: we only know 2-3% of our skin bacteria. For ten years, microbiologists have known that bacteria communicate with molecules through a chemical language. What if a communication layer could grow on our skin which would recognize and interpret these molecules? I carried out my experiments with the material usually used for our second skin – textiles. I worked with natural, synthetic and semi-synthetic textiles and with three persons’ skin bacteria. I specified certain feeding structures and observed the results. During every experiment I took finger prints and the bacteria grew exactly around the shapes of the fingers, unless a certain type of wool was used. In this case the bacteria grew around the various small threads. This showed that bacteria react differently to different materials. I presented my bacteria-textile experiments in the framework an exhibition. To present the process of my work to the public is an important aspect of my work.

To continue to speak the language of art and fashion I conceptualized Visible membrane I. In this project, I covered an ordinary store window mannequin with the kind of wool which caused the most reaction in the previous experiment. The mannequin’s body was completely covered in wool except for its belly where a Petri dish displayed the skin bacteria's reaction to the wool. The mannequin focused its belly to symbolize that we have to study and make use of the existing invisible infrastructure.

I’m especially interested in symbiotic biological systems, i.e. partnership models which are beneficial for all parties involved. In my opinion we could learn a lot from these systems about justice, fairness and mutual respect. Not in order to create an ideal world, but in order to discover new topics and a new aesthetic, to make progress thanks to the symbiosis of art and science. Art/fashion can visualize scientific processes. Science can contribute methods and data to fashion.

After this stage, I developed the film (in)visible. It shows the four layers of the (in)visible membrane. The first layer consists of our skin bacteria. The second layer is an artificial, living communication layer which can absorb the information of our individual skin bacteria. Another important aspect which has to be considered is the environment. My research led me to the only natural organism which, as far as I know, is able to flexibly react to environmental influences, namely the slime fungus.

Slime fungi are quick-change-artists; they use intelligent strategies of the fauna and flora to move and to reproduce. During the dry period, slime fungi change their structures and colors; they reach a state between life and death. When the rainy season starts, they revive and once again change their shapes and colors. I’m convinced that we could learn something from these natural biologic functions and systems and that artificially created systems like these could be adapted to our individual bodies where layers could then provide us with new opportunities to interact with our environment. Finally the movie shows plants growing from a human skin and it portrays a human being who is able to breathe under water – a utopian vision and inspiration for new possibilities.

Photography (pic.2/3) by Maurizio Montalti and (pic.10) Rene van der Hulst